Bergwerksgeschichte

Der Ibbenbürener Bergbau reicht mit seinen Anfängen bis in das 15. oder 16. Jahrhundert zurück. Nahe dem Ausgehenden mehrerer Kohlenflöze legte man kleine Haspelschächte und Stollen an, um Kohle für die benachbarten Kalkbrennereien und Salinen zu gewinnen.

Abb.: Buchholz, Ende 17. Jh.

Nach der Übernahme der Obergrafschaft Lingen im Jahre 1702 und der Grafschaft Tecklenburg im Jahre 1707 durch das Königreich Preußen kamen zunächst die Gruben Dickenberg und Buchholz sowie ab 1747 die Grube Schafberg unter die Regie des preußischen Staates. Die besondere Bedeutung des Ibbenbürener Bergbaus wurde 1770 mit der Gründung des Tecklenburg-Lingenschen Bergamtes hervorgehoben. Pferdegöpel und ab dem 19. Jahrhundert zunehmend auch Dampfmaschinen ermöglichten den Abbau aus größerer Teufe. Mit hohem Aufwand konnte ein 1894 erfolgter Wassereinbruch auf dem Ostfeld nach vier Jahren bewältigt werden.

Abb.: Ansichtskarte Oeynhausenschacht ca. 1910

1924 wurden die Ibbenbürener Bergwerke an die im Vorjahr gegründete Preußische Bergwerks- und Hütten AG übertragen. In den folgenden zehn Jahren wurden die Gruben Ost- und Westfeld grundlegend erneuert und modernisiert.

Abb.: Bergleute vor Kohle mit Abbauhammer

Der 1942 in Ibbenbüren entwickelte Kohlenhobel schuf die Grundlage für die Mechanisierung der Kohlengewinnung. In der Gesamtförderung wurden 1960 erstmals 2 Mio. t überschritten. Die Belegschaft erreichte 1958 mit 8000 Personen ihren höchsten Stand. Im gleichen Jahr setzte die sogenannte Kohlenkrise im bundesdeutschen Steinkohlenbergbau ein und hinterließ auch im Ibbenbürener Revier ihre Spuren. 1979 musste das Westfeld stillgelegt werden. Auf dem Ostfeld wurden ab den 1970er Jahren neue Vorräte von Anthrazitkohlen in 1100 bis 1500 m Teufe aufgeschlossen. In der Vergangenheit waren die Ibbenbürener Steinkohlen insbesondere dem Hausbrand vorbehalten. Ab 1954 und 1967 kamen als wesentliche Abnehmer zecheneigene Kraftwerke und ab 1987 der vom RWE und von der Preussag errichtete 770 MW-Block für die Stromerzeugung hinzu.

Am 1. Januar 1999 wurde die Preussag Anthrazit GmbH vom RAG-Konzern übernommen und firmiert ab der Eintragung ins Handelsregister im März 1999 unter RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH.

Mit einer Gesamtbelegschaft von rund 2.700 Mitarbeitern werden jährlich 1,7 Millionen Tonnen hochwertiger Anthrazitkohle gefördert. Es befinden sich ständig zwei bis drei Abbauhöhen in einer Teufe von ca. 1.400 Metern in Verhieb. Die Produktivität des Bergwerks Ibbenbüren liegt bei 7,5 t pro Mannschicht. Die jährliche Streckenauffahrung beträgt gut 7 Kilometer. Der zugeschnittene Abbauvorrat umfasst ca. 26 Millionen Tonnen Anthrazitkohle. Hauptabnehmer ist das unmittelbar neben der Schachtanlage befindliche 770 Megawatt-Kraftwerk Block B. Im Jahre 2000 wurde der Rahmenbetriebsplan mit Umweltverträglichkeitsprüfung für den weiteren Abbau der Anthrazit-Kohle im Ostfeld bis 2015 von Landesoberbergamt Dortmund zugelassen.

Der Grubenbetrieb ist durch fünf Schächte aufgeschlossen. Mit einer Teufe von 1.545 Meter ist der als Frischwetter-, Seilfahrt- und Materialschacht dienende Nordschacht einer der tiefsten Schächte Europas.



Abb.: Streb-Steuer-Stand

Die technische Ausstattung der Gewinnung ist richtungsweisend für den Steinkohlenbergbau. Die Kohlegewinnung wird EDV-gestützt von übertägigen Leitständen aus gesteuert. Dabei hat der Leitstandfahrer sämtliche Informationen, die er zum Steuern des Strebes benötigt, auf einem Bildschirm vor Augen. Mit Tastendruck und Mausklick lassen sich die weit entfernten Maschinen bedienen.

Bleibt es auch zukünftig bei einem politischen "Ja" für die Subventionierung heimischer fossiler Brennstoffe, bestehen gute Aussichten, den Standort mit seiner voll aufgeschlossenen Lagerstätte, der hochmodernen Bergbautechnik und einer hochqualifizierten und -motivierten Belegschaft sicher und erfolgreich bis über das Jahr 2015 hinaus zu führen.

Weiterführende Literatur:
Röhrs, Hans - Der Ibbenbürener Bergbau des 20. Jahrhunderts in Bildern
Ibbenbürener Vereinsdruckerei GmbH
ISBN 3-921290-97-X

*) bergmännisch:
Ausgehendes = Austritt eines Flözes zutage